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Ich habe eine 7-jährige Tochter (im Herbst wird sie 8), die gerade die erste Klasse beendet hat. Die Lehrerin hat uns auf eine mögliche LRS hingewiesen.
Das Lesen fällt ihr sehr schwer. Kurze Silben kann sie lesen, aber mit Wörtern hat sie Schwierigkeiten und auch die Leserichtung hält sie nicht immer ein. Das Rechnen fällt ihr leichter, aber auch da braucht sie länger als andere. Außerdem fällt es ihr teilweise schwer, sich länger zu konzentrieren. Leider haben wir erst in zwei Monaten einen Termin bei einem Kinderpsychologen zur Diagnose bekommen.
Zum anderen habe ich in ‘Ihrem Kummerkasten’ gelesen, dass es möglicherweise besser wäre, wenn unsere Tochter die erste Klasse wiederholt.
Allerdings haben wir unsere Tochter schon bewusst später eingeschult, da sie in ihrer Entwicklung schon immer langsamer war als andere Kinder.
Über einen Tipp wäre ich sehr dankbar.

Dass Sie ihre Tochter später haben einschulen lassen, war auf jeden Fall richtig.

Und Sie haben Recht, dadurch fällt die Entscheidung, sie die 1. Klasse wiederholen zu lassen, schwerer.

Ich kenne Ihre Tochter nicht und kann deshalb nicht entscheiden, wie kindlich sie ist. Möglicherweise liegt auch eine Aufmerksamkeitsstörung vor.

Kinder mit Aufmerksamkeitsstörung sind in ihrer seelischen Entwicklung deutlich langsamer und bis zu 2 Jahren entwicklungsverzögert, ohne dass das etwas mit ihrer Intelligenz zu tun hat.

Bei Kindern mit Aufmerksamkeitsstörung und Entwicklungsverzögerung sind zudem die Ergebnisse des Intelligenztests mit Vorsicht zu betrachten, weil sie während des Tests unkonzentriert sind und bei einigen Aufgaben möglicherweise auch gar nicht einsehen, warum sie die machen sollen.

Ein guter Kinderpsychologe weiß das aber, fachlichen Rat zu suchen ist auf jeden Fall der richtige Weg. Mit einem Termin schon in zwei Monaten haben Sie übrigens ziemlich viel Glück. Wartezeiten von einem halben Jahr sind leider nicht selten.

Falls eine Aufmerksamkeitsstörung vorliegt, kann es sein, dass Ihre Tochter schon mit einer vollwertigen Ernährung ohne jeden Einfachzucker vor dem Lernen deutlich konzentrierter ist (vgl. Blogartikel “Wenn Ritalin nicht anschlägt”). 

Dann haben Sie eine gute Chance, dass Ihre Tochter mit einem sinnvollen Lese- und Schreibaufbau und einem konsequenten Zahlenaufbau ihre Defizite innerhalb der 2.Klasse abbaut. Das habe ich in meiner Praxis schon mehrfach erlebt. Dazu gehört auf jeden Fall auch LRS geht weg!, Bd.6 und im Anschluss als erste Lektüre mein kleiner Kinderroman “Der gefährliche Weg zum Honig”, der durchgehend in Silben gegliedert ist und nur kurze Leseeinheiten hat.
Achten Sie darauf, dass Ihre Tochter immer mit dem Finger unter der Silbe ist, die sie gerade liest und sprechen Sie immer gleich nach der Lektüre über den Inhalt! So trainieren Sie gleichzeitig das Leseverständnis!

Ein genaues Bild des Zahlenstrahls ist für Mathe unerlässlich.

Darauf wird in der Schule leider zu wenig Wert gelegt.  Nehmen Sie ein Maßband und lassen Sie Ihr Kind mit einem kleinen Tier darauf spazieren gehen – vor und zurück. Erst einmal bis 20 oder 30. Dann in Zweierschritten. Vor und zurück. Lesen Sie dazu auch meinen Blogartikel “So helfen Sie Ihrem Kind, ein Bild vom Zahlenstrahl aufzubauen”.

Wenn Sie bis zu den Herbstferien keine eindeutigen Fortschritte bemerken sollten, ist es trotz ihres Alters für Ihre Tochter wahrscheinlich besser, die 1. Klasse zu wiederholen und genügend Zeit für die Grundlagen zu haben. Denn diese Grundlagen würden beim Wiederholen der zweiten Klasse nicht gelegt.

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