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Unsere Tochter lässt auch noch in der 4. Klasse beim Lesen ständig die Endungen weg. Oft liest sie nur die Anfangsbuchstaben eines Wortes und rät den Rest. Dabei kann sie richtig lesen. Oft müssen wir sie aber mehrmals ermahnen, genau hinzugucken, bis sie endlich richtig liest. Ihre Leistungen in den Leseverständnistests sind entsprechend schlecht.

Leider neigen viele Kinder dazu, ungenau, oberflächlich und ratend zu lesen. Ich habe diese Leseprobleme sogar schon bei begeisterten Viellesern/Vielleserinnen erlebt, die dadurch entstehende Sprünge im Inhalt mit erstaunlicher Gelassenheit hinnehmen.

Diese Kinder haben die Grundlagen des Lesens verstanden.

Sie sind fähig, Buchstaben zu Silben und Wörtern zu verschleifen. Theoretisch können sie also richtig lesen, sie tun es nur nicht oder nicht immer.

Gerade bei Gedichten und bei Texten, in denen unerwartete Wendungen vorkommen, treten besonders viele Lesefehler auf.

Das liegt daran, dass sich bei diesen Texten die Wörter besonders schlecht aus den ersten paar Buchstaben erraten lassen. Das jedoch versuchen die Kinder.

Genaues Lesen erfordert Konzentration!

Und Konzentration bedeutet immer Anstrengung. Unnötige Anstrengung zu vermeiden gehört jedoch zum Überlebensprogramm des Menschen.
Denn Konzentration bedeutet einen höheren Energieverbrauch des Gehirns und diese Energie, nämlich die Nahrung, war lange Zeit knapp. Unser Gehirn fährt deshalb immer wieder in eine Art Sparmodus zurück. Zu einem Problem wird das in dem Augenblick, in dem jemand versucht, mit einem Gehirn im Sparmodus zu lesen, zu schreiben, zu rechnen oder andere abstrakte Aufgaben zu lösen.  

Die Ganzwortmethode verstärkt das ungenaue Lesen.

Zum Glück wird diese Methode, bei der die Schüler ein ganzes Wort möglichst schnell aus dem Schriftbild erschließen sollen, heutzutage kaum noch angewandt. Das sogenannte Blitzlesen, bei dem ein Wort mit einem Blick erkannt und gelesen wird, sollte sich deshalb auf sehr häufige, einsilbige Wörter wie der, die, das, und, oder und ähnliche beschränken.
Übungen, bei denen aus der Länge und Lage der Buchstaben auf ein bestimmtes Wort geschlossen werden soll, sind zwar möglicherweise spannende Rätsel, können Schüler aber auch durchaus zum ratenden Lesen anregen und sollten deshalb meiner Erfahrung nach unterbleiben.

Das langsame Lesen in Silben zwingt zum genauen Hingucken und genauen Lesen.

Dabei den Finger unter das Wort zu halten oder Silbenbögen unter die Wörter zu malen, zwingt zur Exaktheit und führt dadurch zum Erfolg. Oft sind die Kinder selbst erstaunt, wie gut sie mit dieser Methode sogar längere Quatschwörter problemlos korrekt erlesen können.

Lassen Sie Ihr Kind laut lesen! Verkehrt gelesene Wörter und Sätze müssen nochmals gelesen werden!

Verbessern Sie Ihr Kind nicht, sondern lassen Sie es sich selbst verbessern! Achten Sie darauf, täglich nicht länger als 5 bis allerhöchstens 10 Minuten auf diese Weise zu üben! Mit einer längeren Übungszeit erzielen Sie nicht mehr Erfolg, sondern frustrieren nur Ihr Kind!

Quatschwörter und Quatschtexte zwingen die Schüler in die Konzentration

Denn solche Texte kann man nur verstehen, wenn man ganz bei der Sache ist.
Immer wieder stelle ich fest, dass Schüler zuerst irritiert sind und Probleme haben, sich ein Bild zu machen, wenn ich ihnen meine selbstgedichteten Texte vorlege. Sie lernen aber dadurch schnell, dass jeder Text auch eine Bedeutung hat, dass man sich also vorstellen kann, was in dem Text geschieht.
Sogar Kinder mit großen Probleme im Textverständnis lernen erstaunlich schnell, einen Text auch inhaltlich zu erfassen und Fragen zum Text korrekt zu beantworten.
Diese Erfahrung liegt auch den Texten in meiner Reihe LRS geht weg! zugrunde, die sich nicht zur zum Diktieren, sondern auch als Leseübung eignen.

Genau zu lesen ist eine Entscheidung, die ein Schüler/eine Schülerin jedes Mal neu fällen muss!

Zeigen Sie deshalb Ihrem Kind auf, wie gut es lesen kann, wenn es sich konzentriert! Idealerweise konzentriert es sich dann auch beim Lesetest. Erfolg ist noch immer der beste Motivator!

Fazit:

  • Ungenaue Leser konzentrieren sich nicht wirklich auf den Text!
  • Lesen in Silben vermeidet Ungenauigkeit!
  • Lassen Sie Sätze und Wörter, die nicht genau gelesen werden, noch einmal lesen!
  • Quatschwörter und Quatschgeschichten erleichtern die Konzentration beim Lesen!

Lesen Sie zum Thema folgenden Blogartikel:

Welche Lektüre eignet sich für Kinder mit LRS und Konzentrationsproblemen?

Leseverständnistests sind immer eine Katastrophe!

Wie funktioniert die Konzentration bei Aufmerksamkeitsstörungen (AD(H)S)?

Lesen sie Sie auch:

Mehr Frontalunterricht schont den Geldbeutel der Eltern und verringert die soziale Schieflage im Bildungssystem. Ein Plädoyer gegen den offenen Unterricht

1 Kommentar

  1. Hallo,
    Ich, Jahrgang 1964, habe mit der Gantwortmethode lesen gelernt. Ich konnte weder gut lesen noch schreiben. Meine Eltern habe dann für mich eine Schreibmaschine besorgt und mir regelmäßig einen kleinen Text diktiert. Ich habe es gehasst, zumal mir Texte aus der Zeitschrift “Wild und Hund” diktiert wurden. Heute bin ich dankbar, weil ich durch das “Such- und Adlersystem” mich auf jeden einzelnen Buchstaben konzentrieren musste.

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