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Unser Sohn bringt bei Leseverständnistests immer nur katastrophal schlechte Noten nach Hause. Dabei kann er eigentlich lesen. Damit er besser wird, lassen wir ihn jeden Tag eine halbe Stunde lesen, aber jetzt ist er schon in der 3. Klasse und wir sehen immer noch keine Besserung.

Buchstaben oder auch Wörter korrekt zu lesen bedeutet nicht automatisch, auch den Inhalt verstanden zu haben.

Gerade Kinder, denen das Lesen schwerfällt und mit denen deshalb viel geübt wird, gewöhnen sich leicht daran, einen Text einfach Wort für Wort runterzulesen, ohne sich Gedanken über den Inhalt zu machen.

Bisweilen reagieren sie ausgesprochen ungehalten, wenn man sie nach dem Inhalt des gerade Gelesenen fragt, nach dem Motto: Jetzt habe ich alles gelesen und es war richtig, das reicht doch wohl, oder?

Diese Kinder empfinden Lesen als Qual. Dass Lesen auch schön sein kann, ist ihnen vollkommen fremd.

Zuallererst muss deshalb Freude an Texten aufgebaut werden. Das ist manchmal schwerer, als man denkt, denn das Lesen konkurriert mit anderen Freizeitbeschäftigungen wie dem Fernsehen oder dem Computer.

Sowohl im Fernsehen als auch im Computer werden Bilder vorgegeben. Die Anstrengung, sich selbst ein Bild machen zu müssen, entfällt.

An diese Bequemlichkeit gewöhnen sich Kinder schnell. Auch wenn es etwas vorgelesen bekommt, muss sich ein Kind sehr viel mehr anstrengen, um sich die Geschichte vorzustellen, als wenn es vor dem Fernseher sitzt und einen Film sieht.

Oft werden im Fernsehen hektische Zeichentrickfilme angeschaut, die keine wirkliche Geschichte erzählen.

Solche Filme laufen schon frühmorgens und werden gerne als harmlose Babysitter genutzt.
Harmlos sind solche Zeichentrickfilme jedoch keineswegs, denn sie gewöhnen die Kinder an schnelle Auflösungen und kurze Konzentrationsspannen. Eine Geschichte mit einem längeren Spannungsbogen wird dadurch schnell langweilig.

Beginnen Sie Übungen zum Textverständnis deshalb mit kurzen Texten. Besonders geeignet sind Witze und Quatschfragen.

Lassen Sie Ihren Sohn einen Witz oder eine Quatschfrage aussuchen und lesen Sie ihm den Text dann vor. Besprechen Sie gemeinsam, was daran komisch ist. Achten Sie dabei darauf, Ihrem Kind die Lösung nicht vorzugeben!

Lesen Sie dann kurze, abgeschlossene Geschichten vor. Dann sprechen Sie mit Ihrem Kind über den Inhalt.

Am besten lassen Sie sich in der Bücherei beraten. Für Kinder der ersten oder zweiten Klasse, die sich besonders schwer damit tun, den Inhalt eines Textes zu erfassen, wählt man für den Anfang ein Vorlesebuch für Vorschulkinder oder Erstklässler aus. Die Texte für Vorschulkinder sind einfacher geschrieben und dadurch leichter erfassen.
Was für ein Buch ausgewählt wird, hängt von Geschmack des Kindes ab. Geeignet sind beispielsweise Thienemanns Quatschgeschichten oder die Schulgeschichten vom kleinen Raben, letztere haben hinten sogar Fragen zum Text.

Ihr Sohn geht jedoch schon in die dritte Klasse. Diese Geschichten werden ihm voraussichtlich zu langweilig sein. Versuchen Sie es mit Rätslkrimis wie Leo & Leo. Solche Rätselkrimis sind zwar etwas länger, dafür aber auch spannender.
Fragen Sie grundsätzlich zuerst: Was hat dir an der Geschichte gut gefallen? Falls daraufhin keine Antwort kommt, fragen Sie: Was hat dir denn nicht so gut gefallen?

Geben Sie sich nicht mit der allgemeinen Aussage „Alles“ zufrieden! Lassen Sie sich einen konkreten Punkt nennen!

Vielen Kindern fällt das schwer. Achten Sie darauf, im Gespräch nicht zu viel vorzugeben!
Wenn Ihrem Sohn gar nichts einfällt, fragen Sie mit Beispielen nach und versuchen Sie, ein Gespräch darüber aufzubauen. Um Ihren Sohn nicht zu frustrieren, fragen Sie am nächsten Tag nach dem Vorlesen gleich anhand einer Textstelle, wie ihm die Geschichte gefallen hat. Spätestens nach einer Woche sollten Sie aber wieder allgemein fragen!

Erst nach einem allgemeinen Gespräch über den Text sollten Sie klassische Verständnisfragen nach Einzelheiten fragen, wie sie zum Teil auch schon vorgegeben sind.

Der erste Schritt zum Textverständnis ist nämlich immer zu lernen, dass Geschichten auch einen Inhalt haben. Gerade Leseanfängern ist nicht immer bewusst, dass es nicht ausreicht, eine Geschichte fehlerfrei lesen zu können.

Wenn Kinder gelernt haben, über den Inhalt vorgelesener Geschichten zu sprechen, können Sie dazu übergehen, die Kinder selbst lesen zu lassen und mit Ihnen über den Inhalt des Gelesenen zu sprechen.

Die erste Frage sollte dann lauten: Worum geht es in der Geschichte? Wie gefällt Sie dir? Anschließend können Sie nach Einzelheiten aus dem Inhalt fragen.

In der Therapie setze ich zum Aufbau des Textverständnisses oft mit gutem Erfolg die Diktatsätze und Diktatgeschichten aus meiner Ratgeberreihe LRS geht weg! ein. Auch Drittklässlern sind die Sätze und Texte nicht zu langweilig.
Ein spezieller Leseaufbau mit lustigen Sätzen und kleinen Lesetexten wird spätestens im Frühsommer dieses Jahres erscheinen.

Lesen Sie zu diesem Thema auch folgende Blogartikel:

Unsere Tochter liest ungenau!

Meine Tochter kriegt das Lesenlernen einfach nicht hin!

Wie fördert Vorlesen das Lesen?

 

 

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