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Unsere Tochter Mira geht jetzt schon ein dreiviertel Jahr in die erste Klasse, aber das Lesen klappt immer noch nicht und auch mit dem Schreiben tut sie sich schwer. Wenn Sie liest, dann buchstabiert sie und kann erst nach dem Buchstabieren das Wort sagen. Aber auch das klappt nur, wenn das Wort nicht zu lang und zu schwer ist. Einige Wörter kann sie eine Zeitlang, dann aber plötzlich wieder nicht. Wir üben jeden Tag und wir lesen ihr auch täglich vor, aber dennoch bemerken wir keinerlei Fortschritte. Inzwischen hat uns auch schon die Lehrerin auf Miras Lese- und Schreibprobleme angesprochen. Beim Rechnen ist sie dagegen richtig gut.

Mira ist mit ihrem Problem nicht allein. Das sogenannte Verschleifen von Buchstaben fällt vielen Kindern schwer. Einige Kinder sind in der 1.Klasse noch nicht reif genug, um Lesen, Schreiben und Rechnen erfolgreich zu lernen. Diesen Kindern hilft man am besten, indem man sie die 1.Klasse wiederholen lässt. Lesen Sie dazu auch meinen Blogartikel Lerntherapie in der 1.Klasse?
Da Mira jedoch gut rechnen kann, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie tatsächlich schulreif ist und ein isoliertes Problem mit dem Lesen und Schreiben hat.

Auch Kinder mit einer Anlage zu einer Lese- Rechtschreibschwäche können erfolgreich lesen lernen!

Allerdings nicht mit jeder Methode. Begabten Kindern ist es vollkommen egal, was für eine Methode man benutzt. Viele Kinder tun sich mit einer weniger geeigneten Methode schwerer, lernen aber trotzdem irgendwann, flüssig zu lesen. Kinder mit einer Anlage zur Lese- Rechtschreibschwäche sind jedoch darauf angewiesen, in kleinen Schritten zum Lesen geführt zu werden.

Besonders ungeeignet ist die Ganzwortmethode

Diese Methode hat besonders viele Analphabeten hervorgebracht und wird in ihrer Reinform zum Glück nicht mehr verwendet. Allerdings wird sie teilweise in Kombination mit der Silbenmethode eingesetzt.
Das kann für kurze Wörter wie und, oder, dann sinnvoll sein, um diese Wörter schneller zu erfassen. Die Ganzwortmethode darf jedoch auf keinen Fall für Nomen (Namenwörter) oder Verben (Tunwörter) verwendet werden, denn dann werden die Kinder dazu verleitet, Wortbilder auswendig zu lernen statt sich die Wörter zu erlesen.
Wenn Mira Wörter eine Zeitlang lesen kann, dann aber wieder nicht, spricht viel dafür, dass sie die Wortbilder auswendig gelernt, dann aber wieder vergessen hat.

Wie sollte das Lesenlernen idealerweise aussehen?

Kinder müssen zuerst die Buchstaben lernen und den Buchstaben die richtigen Laute zuordnen. Dann müssen sie lernen, aus den Buchstaben Silben wie la, no, we usw. zu bilden. Schon diese Silben sollten nicht buchstabierend gelesen werden, sondern im Fluss, also verschleifend. Aus diesen Silben werden dann Wörter gebildet, also aus Na+me das Wort Name. Wenn das funktioniert, können ganze Sätze gelesen werden.
Dabei muss darauf geachtet werden, dass die Wörter und Sätze auch inhaltlich verstanden werden!

Einige Kinder tun sich durch das Schreibenlernen in der Druckschrift auch beim Lesenlernen schwer!

Denn bei der Druckschrift schreibt man abgehackt in einzelnen Buchstaben. Das wird dann oft auch auf das Lesen übertragen und führt dazu, dass das Kind zuerst die Buchstaben abgehackt einzeln liest und erst danach versucht, ein Wort zu finden, das zu diesen Buchstaben passen könnte.

Bei Kindern mit sehr großen Problemen führe ich die Schreibschrift ein, auch wenn die in der Schule noch nicht gelernt wurde.

Dabei lasse ich die Großbuchstaben in der schon bekannten Druckschrift. Zuerst werden nur Buchstaben gelernt, die man länger anhaltend sprechen kann, um das Verschleifen zu erleichtern: das kleine L, N, M, S und W. Diese werden mit den Vokalen zu Silben verbunden und dann zu kurzen Wörtern. Dabei wird beim Schreiben durchgehend mitgesprochen. Dadurch fällt es den Kindern leichter, das Prinzip des Verschleifens zu lernen.
Das Lesen- und Schreibenlernen verläuft so gleichzeitig.

Erst wenn das Verschleifen vollständig verstanden wurde, können Buchstaben eingeführt werden, bei denen das Verschleifen schwieriger ist wie beim P, T oder K.

Schreiben Sie die Buchstaben L, M, N, S, und W auf ein Erstklässlerblatt und fügen Sie die Vokale A, E, I, O, U hinzu, so dass Silben wie le, le, li entstehen. Wenn diese Silben fließend gelesen werden können, können Sie diese Silben zu Wörtern verbinden und lesen lassen. So kann langsam das verschleifende Lesen aufgebaut werden.

Folgende Bücher helfen Ihrer Tochter beim Lesenlernen – leider aktuell nur als eBook erhältlich, Taschenbücher werden gerade nicht zeitnah ausgeliefert:

Lesen Sie zu diesem Thema auch folgende Blogartikel:

Wie fördert Vorlesen das Lesen?

Lerntherapie in der 1. Klasse?

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