In den Sommerferien sollen Kinder einmal so richtig ausspannen, sagen die einen. Die Sommerferien seien viel zu lang, die Schüler würden in der Zeit zu viel vergessen, sagen die anderen. Deswegen müsse in den Ferien unbedingt gelernt werden,

Die Forschung ist sich uneinig darüber, wie dramatisch das Vergessen von Gelerntem während der langen Sommerferien tatsächlich ist.

  • Einerseits kann das Gehirn besser arbeiten, wenn man ihm Erholungspausen gönnt. Und lernen – wenn auch keinen Schulstoff – kann man auch beim Spielen mit Freunden und beim kreativen Gestalten.
    Kinder ohne Schulprobleme, die während der Schulferien reichlich Anregungen bekommen, vielfältige Erfahrungen sammeln können und vielleicht sogar einmal ein Buch lesen, werden durch diese Ferien keineswegs dümmer und finden schnell wieder Anschluss an den Schulstoff.

Die Erfahrung zeigt zudem, dass sich leistungsstarke Kinder gerne auch freiwillig mit dem Lernen beschäftigen und möglicherweise ganz nebenher einen Schulblock zu ihrer Klassenstufe bearbeiten, ohne das unbedingt als schulisches Pflichtprogramm wahrzunehmen.

  • Anderseits verschwinden bestehende Lernprobleme über die Ferien in der Regel nicht. Da Kinder mit Lernproblemen ganz allgemein wenig Neigung zeigen, sich freiwillig mit dem zu beschäftigen, was für sie schwierig ist, ist der Abstand zu den leistungsstärkeren Kindern nach den Ferien oft sogar noch größer

Für Kinder mit Lernproblemen ist es sinnvoll, die Ferien zum Wiederholen und zum Festigen des Schulstoffs zu nutzen.

Wie kann so ein Wiederholen und Festigen des Schulstoffes aussehen?

1. Geben Sie Ihrem Kind genaue Anweisungen, was und wie es lernen soll. Nur ins alte Schulheft zu gucken bringt nichts!
2. Wenn Ihr Kind Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat, können Sie die Bücher meiner Reihe LRS geht weg! zum Üben heranziehen. Sie finden dort nicht nur Übungsstoff, sondern auch genaue Übungsanweisungen.
3. Bei Problemen mit dem Rechnen und mit Textaufgaben beachten Sie bitte die Hinweise in den Blogartikeln zur Rechenschwäche. Im Handel gibt es Hefte mit altersgemäßen Textaufgaben und Malhefte mit Einmaleins-Aufgaben.
4. Lange Lernzeiten haben wenig Effekt. Wirkungsvoller ist es, wenn Ihr Kind regelmäßig übt, dafür aber je nach Alter nur 15-30 Minuten pro Tag.
5. Machen Sie mit Ihrem Kind feste Lernzeiten aus und überziehen Sie die vereinbarte Zeit nicht!
6. Loben Sie Ihr Kind, wenn es sich anstrengt und alle Anweisungen beachtet! Ein Grundschulkind freut sich auch sehr, wenn es sich kleine(!) Belohnungen erarbeiten kann.

Während des Familienurlaubs dürfen Sie sich und Ihrem Kind übrigens auch einmal eine Pause gönnen.

Und bedenken Sie:

  • Sommerferien sollten auch in der Stadt nicht alleine in der Wohnung verbracht werden, sondern mit anderen Kindern und möglichst viel draußen!
  • Besonders Freies Spielen ist für die Entwicklung Ihres Kindes wichtig!
  • Dazu gehört auch einmal Langeweile.
  • Es ist nicht Ihr Job, Ihr Kind rund um die Uhr zu bespaßen oder dafür zu sorgen, dass andere es tun.
  • Es ist jedoch wichtig, dass Sie Ihrem Kind einen Rahmen geben, in dem es spielend experimentieren und neue Erfahrungen sammeln kann.

Übrigens:
Früher mussten Kinder ganz selbstverständlich während der Ferien – und oft nicht nur dann – in der Landwirtschaft oder im elterlichen Betrieb helfen. Teilweise hießen die Ferien sogar nach den zu tätigenden Aufgaben: Heuferien für die Pfingstferien, Getreideferien für die Sommerferien, Kartoffelferien für die Herbstferien.

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