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Unsere Tochter Enja geht in die 4. Klasse und will unbedingt aufs Gymnasium. Ihre Noten sind gut, nur mit dem Lesen hat sie immer noch Probleme. Sie liest auch nicht gerne.
In der Schule wurde nun ein Test gemacht und eine Leseschwäche diagnostiziert. Wir sind jetzt sehr unsicher, ob das Gymnasium wirklich das Richtige für Enja ist. Mit der Rechtschreibung hat Enja übrigens keine Probleme.

Ein Lesetest stellt fest, wie viele Wörter und Fantasiewörter Enja richtig gelesen hat und wie Enjas Leseleistung im Vergleich zur Leseleistung anderer Kinder ihrer Klassenstufe ist. Ein Lesetest stellt jedoch nicht fest, warum Enja so schlecht gelesen hat.
Um zu beurteilen, ob Enja auf dem Gymnasium zurechtkommen kann, sollte zuallererst die Ursache für ihre schlechte Leseleistung geklärt werden.
Anschließend kann Enja dabei unterstütz werden, ihre Leseschwäche zu überwinden.

Eine Leseschwäche kann sehr unterschiedliche Ursachen haben.

1. Eine klassische LRS

Bei einer klassischen LRS sind sowohl die Rechtschreib- als auch die Leseleistungen sehr schlecht. Trotzdem können auch Schüler mit LRS erfolgreich das Gymnasium abschließen.
In den meisten Bundesländern werden die Rechtschreibleistungen bei diagnostizierter LRS in der 5.–7. Klasse nicht gewertet. In den Abschlussprüfungen werden jedoch vielerorts keine Zugeständnisse mehr gemacht. Auch haben Schüler mit LRS oft große Probleme mit den modernen Fremdsprachen.
Eine gute LRS-Therapie verbessert die Leistungen im Lesen und Schreiben nachhaltig. Außerdem sollte möglichst vor Beginn der 5. Klasse vermittelt werden, wie man auch mit LRS Englischvokabeln erfolgreich und mit der korrekten Orthographie lernt.

2. Ursache für die schlechte Leseleistung sind Konzentrationsprobleme

Konzentration entsteht nicht einfach so von selbst, sondern muss für jede Tätigkeit neu aufgebaut werden.
Dabei kann es schnell zu einem Teufelskreis kommen: Lesen ist ein bisschen schwierig, deshalb mag ich es nicht wirklich, weshalb ich mich nicht wirklich konzentriere, wodurch ich immer schlechter lese, weshalb ich Lesen immer weniger mag und versuche es zu vermeiden, wodurch ich noch schlechter werde…

Genaues Lesen in Silben zwingt zu mehr Konzentration.

Sehr hilfreich ist es, dabei Silbenbögen malen zu lassen, um auch das Lesen der Endungen zu erzwingen. In der Schule kann dann auch ohne Silbenbögen in Silben gelesen werden.

Einige Schüler reagieren auf den Konsum von Zucker (Crunchy-Müsli, Nougatcreme, Limonaden, Eistee, Müsliriegel und andere Süßigkeiten) mit einem extremen Konzentrationsabfall.
Ein Frühstück ohne Einfachzucker wirkt bei diesen Kindern Wunder!

3. Es liegt eine isolierte Leseschwäche vor

Manchmal gelingt es Schülern, sich eine korrekte Rechtschreibung anzueignen, obwohl sie den Unterschied zwischen langen und kurzen Lauten nicht verstanden haben. Das bedeutet, dass sie Dopplungen richtig schreiben können, beim Lesen aber daran scheitern zu erkennen, ob sie ein langes oder kurzes E oder O lesen sollen. Oft wird dann geraten, wodurch Leseverständnisfragen meist nicht mehr korrekt beantwortet werden können.
In einer LRS-Therapie lernen Schüler, lange und kurze Laute zu differenzieren und im Schriftbild zu erkennen. Dies ist auch Thema von Bd.1 meiner Reihe LRS geht weg: Das kann ich hören!.

Fazit:

  • Machen Sie sich auf die Suche nach der Ursache von Enjas Leseschwäche!
  • Die Auswirkungen von zuckerhaltigen Lebensmitteln auf Enjas Konzentration können Sie selber testen, die anderen Faktoren sollten in einer Lerntherapie geklärt werden.
  • Wenn Sie sich darum kümmern, sehe ich keine Probleme darin, dass Enja mit ihren guten Noten ein Gymnasium besucht.

Lesen Sie zum Thema auch folgende Blogartikel:

Unsere Tochter liest ungenau!

Fördern Traubenzucker & Co die Konzentration?

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