Vor 100 Jahren wurden wichtige Ereignisse wie Beginn und Ende des Ersten Weltkrieges noch mit Extrablättern unter das Volk gebracht. Wer informiert sein wollte, musste lesen. Heute informieren sich viele junge Erwachsene  nur noch im Internet. Bilder und Filme ersetzen dabei den gedruckten Text

Im Internet werden Texte nur anhand ihrer Überschrift kommentiert

Die Texte selber werden von vielen Kommentatoren gar nicht gelesen.
Einen Beweis dafür hat der amerikanische Radiosender NPR erbracht. Auf seiner Internetseite hat NPR unter der Überschrift „Warum hat Amerika aufgehört zu lesen?“ keinen Artikel zu dem Thema veröffentlicht, sondern die Erklärung, dass man glaube, viele Leser kommentierten die Texte, ohne sie gelesen zu haben. Dieser Artikel, den es gar nicht ab, wurde daraufhin von Hunderten von Lesern leidenschaftlich kommentiert.

Selbst zu lesen wird immer seltener nötig

Gebrauchsanweisungen bestehen schon heute oft nur aus Bildern. Schüler lesen nicht mehr in ihren Schulbüchern nach, wenn sie etwas nicht verstanden haben, sondern schauen sich ein Youtube-Video an. Auch in der beruflichen Bildung greift man immer häufiger auf Filme zurück.
Viele technische Geräte lassen sich jetzt schon mit Sprache steuern.

Muss dann überhaupt noch jeder Schüler Lesen lernen?

Schüler, die sich mit dem Lesen lernen schwer tun, würden möglicherweise mit Nein antworten. Wenn wir jedoch aufhören, um die Lesefähigkeit und das Leseverständnis unserer Kinder zu kämpfen, werden wir unsere Gesellschaft spalten.
Schrift darf nicht einer kleinen Elite vorbehalten sein. Jedes Kind hat das Recht auf den vollständigen Zugang zur Bildung.

Schrift wird es auch in Zukunft geben

Gerade komplexe Fragestellungen brauchen nach wie vor den gedruckten Text, in dem man etwas anstreichen kann und bei dem man viele Aspekte gleichzeitig im Blick hat. Solche Texte werden auch heutzutage noch fleißig ausgedruckt, anstatt sie am Bildschirm zu lesen.

Nicht zuletzt: Lesen macht Spaß! Und es macht unsere Kinder stark!

Lesen Sie Ihrem Kind vor. Sie fördern damit nicht nur seinen Wortschatz, sondern auch seine Fantasie. Ein Kind, dem vorgelesen wird und das selber liest, muss sich seine Bilder selbst schaffen. Es ist nicht nur Konsument, sondern auch handelnde Person. Solche Erfahrungen machen unsere Kinder stark und eigenständig.

Vorlesen ist Beziehung!

Sprechen Sie über das Gelesene! Haben Sie Zeit für die Fragen Ihres Kindes! Geschichten sind voller Emotionen, die Sie mit Ihrem Kind teilen können. Das ist wichtig für die Freude am Lesen. Eine CD ersetzt das persönliche Vorlesen nicht!
Ein Kind, dem vorgelesen wird und das selber liest, entwickelt sich zu einem unabhängigen Menschen. Es lernt selber zu denken, statt andere denken zu lassen. Es kann seine Informationen selbst zusammensuchen und ist eher fähig zu durchschauen, aus welcher Quelle eine Information kommt und ob man ihr trauen kann.

Ob wir in der Zukunft noch lesen werden, entscheidet jeder von uns ein bisschen mit

Wenn wir unseren Kindern vorlesen, wenn wir mit ihnen in die Bücherei gehen und sie uns auch selbst Bücher lesen sehen, ist die Wahrscheinlichkeit groß. dass auch sie weiterhin Bücher lesen werden.. Allerdings müssen wir bereit sein, für Bücher auch zu bezahlen. Die wenigsten Autoren können es sich leisten, aus reiner Nächstenliebe Bücher zu schreiben, sondern müssen davon zumindest teilweise leben können.
Ob wir Bücher als gedrucktes Buch oder als eBook lesen, ist dann Geschmackssache.

 

Interessant zum Thema:

Henning Lobin: Einige Bemerkungen zur Zukunft des Lesens. 28.März 2015.

Sarah Seeliger 10 Gründe, warum lesen wichtig ist Veröffentlicht: 24/06/2014 10:11, aktualisiert: 24/08/2014, Huffpost.  

Ursula Weidenfeld: Warum noch Lesen und Schreiben lernen? Der Tagesspiegel, 10.01.2016.

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